Ortrud Brandes



Septembersonne

Ach du liebe kleine Süße
komm was ist denn los mit dir
schau hinaus Septembersonne
lädt uns beide auf ein Bier

Um die Augen Krähenfüße
in den Heften Eselsohren
Wolfshunger nach Lebenswonne
noch ist Polen nicht verloren

Jane greif die Liane, rief
Tarzan in den Wald
Und auch ich ruf es dir zu
denn es gibt kein Bald

Gestern war es dass ich schlief
heute will ich wachen
morgen erst geh ich zur Ruh
bis dahin mit dir lachen




Im Zug

Der kleine Mann
saß auf dem Schoß
von seiner lieben Ma
sein Daumen tief
im Hals versteckt
die Nase unterm Finger

Ihm gegenüber
setzten sich
zwei rot gefärbte Lippen
er saugte interessiert
an seinem Daumen weiter
der jetzt ein Kußmund war




Stern-Vogel-Hans

Weißt du wieviel Sternlein stehen
ohne auf die Uhr zu sehen?
Weißt du wieviel Wolken wehen
auf feingehackten Knoblauchzehen?

Guck ein Vogel kommt geflogen
fliegt an meinem Fuß vorbei
macht um ihn direkt 'nen Bogen
die Post kommt leider erst um drei.

Hänschen braucht 'ne neue Hose
eher weiter als zu klein
Stock und Hut, Schnupftabaksdose,
zieht endlich in die Welt hinein.

Der weiße Nebel wunderbar
die Stern am Himmel hell und klar...
Die Zeit bleibt stehn, bis sie verrinnt.
Es war einmal, ein Tag, ein Kind.




Leidwunsch

Liebes
Gabendiebes
gut
vergraben

Sinnes
Wandlung bin es
wohl
verstandlung

Freund
Lichterglanz
zeit
heilt alle Wunden




An gebetetes Widerspenst

Ich marschiere mich an mir vorbei
Ich jongliere mich des nachts um drei
Ich hüpfe mich ganz unbemerkt
wie Zeichen setzen sich verstärkt

wie ein Flüstern laut und los
wie ein Knistern gern und groß
wie ein Schwelen haut und nah
wie ein Staunen wun der bar




Staben

Was passiert mit Buchstaben
wenn sie einmal kein Buch haben?
Werden sie nervös und beißen?
Dann sollten sie Tigerstaben heißen!

Oder flüchten sie mit dem Wind?
Dann wüßten wir, was Windstaben sind.
Die fangen wir wie Schmetterlinge
mit 'ner großen Letterschlinge.

Und was ist mit den Staben, die keiner hört?
die erzählen, was keinen stört,
weil sie nackt in Pfützen liegen
und vergeh'n, wenn die versiegen.

Was passiert, wenn nun ein Stabe
und ein Buch ihr Herz verlieren?
Sie blättern durch die Seiten ihres Leben
und, ganz richtig, buchstabieren, buchstabieren...




Im Kreidegrauen

ungepflügte Lügenfelder
kreidebleiche Kontouren auf Kissen
wer ist wo zu welcher Zeit

Gottesackerbau am Halsband
weiße Wasserspeier in der Wüste
erbrechen heiß und gleiß

ungewußtes Wissen
frostverbeulte Risse in der Haut
Kreide auf blutgetränktem Schwamm

unter der Schädeldecke implodiert
im namenlosen Nichts beim Namen genannt
verwehte Inschrift auf Tränenpulverwanderdünen




Life of man

Born
Educated
Moved

Married
Won
Moved

Remained
Visited
Moved

Televised
Left
Died

Burried

(Introdutional verbs on the biographical notes of Dylan Thomas)




GastautorInnen bei "wortgetreu"