Kerstin
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Gedichte


IMMER NOCH DA

wir sind
immer noch da
unter den trümmern des alltags
den ruinen unserer streitereien
dem überdruss vergraben

der presslufthammer meiner wut
nicht gut genug
dein versteinertes schweigen
zuviel gesagt
in den mahlsteinen des alltags
hasten wir dem soll
hinterher

und doch
bin ich hier bei
dir und du und wir
immer noch pulsierst du
in mir mein herz

(1999)



DU

So klar und deutlich
sehe ich alles vor mir:
Du und ich
wir beide
Hand in Hand

Protagonisten
dieser uralten Geschichte
unzählige Romeos und Julias
bis der Vorhang fällt.
Vergangen. Vergessen. Vergraben.

Aber Du und ich
diese Liebe
und daran glaube ich
soll unsterblich sein.

(1989)



IMMER NOCH

Dich wiederzusehen
nach all der Zeit
eine kurze Begegnung
weinselig glückselig

Befangenheit
schmelzendes Eis dann
gemeinsames Lachen
vertrauter Klang
Erinnerungen
an eine flüchtige Zeit
watteverpackt

so nah, so fern
"herzkopfüber...."

Du bist nicht mehr mein
und ich
ich fliege
immer noch

(1988)



FARBEN DES LEBENS

Wortmelodien
ohne Übersetzungshilfe
flüchtig wie die Zeit
die dir durch die Finger rinnt
Gedankenflüge hoch hinaus
aber wer wie was
kann Erinnerungen wiegen
die Farben des Lebens
abbilden naturgetreu
und die Bauklötze
zentnerschwer
sie schweben

(1988)



GEDANKEN

schwarze fliegen die
nicht lassen wollen vom
verwesten kadaver der
erinnerung

(1985)



NICHTS, WAS MICH RETTEN KÖNNTE

Diese Ausweglosigkeit -
gefangen in einer Rattenfalle
nichts , was mich jetzt noch retten könnte
betäubende Müdigkeit
lastet wie Blei auf meinen Gedanken
schwindelerregende Abgründe
sind verkümmert zu flachen Pfützen
nichts, was mich noch schrecken könnte
und doch zu feige
um nur den Mund zu öffnen
gegen die Spielregeln zu verstoßen
weiche Wände
nachgiebig unter dem Aufprall
meines Schädels
ich bin eine wandelnde Gummizelle
und halte mich selbst gefangen

(1988)



JAHRE DER GEDULD

In den Jahren der Geduld
wohnt die stille Zeit
du schaust und schaust
wie Kirschen reifen

wie oft gelegen Brust
an Brust an Mund an Haar
Sommer weicht Herbst
Frühling vertreibt Winter
und wieder du
schwingst mit im Großen Ganzen
die Füße im Sand
Kopf über den Wolken
du strömst und fließt
und nimmst.

(1999)



WORTE

Worte
hungrige geschöpfe
brennen auf der zunge im kopf
stechen in den ohren
saugen das blut aus
peinigen martern foltern
kletten an den fingern
schlingpflanzen
tanzen vor den augen
unsichtbare dämonen fratzenschneidend
geben mir alles
verlasst mich nicht -

(1987)



TRAUMTÄNZER

verwirrende Visionen blauer
Nachtfalter schwacher Dunst
polkatanzende Lichter atemlos
auf verschlungenen Irrwegen
die sich verlaufen in einem Labyrinth
weinschwer
ausgeblichene Rauchzeichen
und Hilferufe was ist das wer
träumt diesen Traum für mich
wer bist du Sphinx
Zyklopenauge Traumtänzer
eine neue Hoffnung
stärker als die Dunkelheit in mir
oder nur stürzender Komet
besinnungslos
haltlos verlöschend
im ersten Morgentau?

(1987)



STERNSTUNDE

stärker als die Dunkelheit
in mir
dieses brennende Verlangen
eines aufgehenden Sternes gläsernes
Funkeln vertreibt die roten Fliegen
und nie mehr will ich sie kosten
die bittersüßen Feigen
sondern verglühen
mich geißeln
im Licht des Abendsterns
in der Schwärze der Iris
Seelenspiegel
voll furchtsamer Begierde
es gibt kein zurück

(1987)





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