Jane Brückner



MORGEN  I

So oft
Gefasst in Licht
Im November,
der die Sonne
nicht lässt,
und doch gewahr deiner Nähe:
Sommererwachen.

Du gehst.

In den Traum
zurückgetrieben
Die Ahnung
schmerzlich,
gerinnt zu Schlaf

Der Herbst
gähnend,
bitterfarbend
fährt auf den Hof.



MORGEN  II

Ich trage
den Traum
durch Gewelktes
am vergangenem vorbei.
Rette ihn in die Zeit.

Altes im Laubhaufen
hinterm Haus
Wird im Winter
verwittern
und ins Vergessen nieseln,
zerfallen.



MORGEN  III

Er roch am Abend
Teuer
Nach rauem Meer
Nach neuem Jahr.

Er trug schwere Netze
An sein dünnes hölzernes Boot,
das er, um es zu Wasser zu lassen,
lange vor sich hinschob:
Es scharrt den Strand,
knirscht zum Ufer.

Er roch am Abend
nach Seemann
und nach winterlichen Dünen.
In Gedanken war er schon auf dem Wasser.
Der Ozean hat keine Wege,
nur das Firmament (als Rast).

Das Salz aus seinen Poren
schmecke ich am Morgen.


* * *

Ein Mensch,
ein körper,
ein gedanke,
ein wille,
eine tat,
ein weg,
eine zeit,
eine hast,
ein irtum,
eine einsicht,
eine hoffnung,
ein mut,
ein versuch,
ein neuer,
eine richtung,
ein rückweg,
ein schulterzucken,
ein hut,
ein stock,
ein alter mann,
vor, zurück,
zur seite, ran.



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