Gerhard Becker



Das Meer der Liebe

Liebste - du warst noch
ein Punkt in der Gefühlsferne,
doch ich eilte.

Sah ich richtig? Du
kamst mir entgegen! DU und
ICH eilten zum WIR!

Mit feucht heißen Blicken
schlossen WIR uns in
die Arme. Unlösbar!

Unsere WIR-Augen
sprudelten salzige
Glücksströme hervor.

WIR strömten zum
Ozean unserer Liebe.
Wild tobte das Meer.

Wirbelstürme der Gefühle
saugten Wasser auf;
Wolken platzten.

Gewitterleidenschaften
schleuderten tausend Blitze
in das Meer.

Gefühlswellen schmückten
sich mit den Schaumkronen
unserer Liebe.

Dann wollten Streitorkane
die Wasser unseres
Meeres trennen.

Schwäne des Stolzes
und des ICHs schwammen
auf den Wellen steif dahin.



Turbulenzen ließen
kalte und heiße
Strömungen entstehen.

Doch da flossen neue
salzige WIR-Augen-Ströme
in das Meer.

Und die Botschaft
der Tränen heilten und
beruhigten die Wasser.

WIR streichelten das Meer
und umarmten uns - unlösbar -
für immer!




Haiku / Senryû

Schuhe endlich aus.
Ich laufe auf kühlem Samt:
Moos im Gartenreich.


Weiße Feen tanzen
am Waldesrand. Es sind die
Birken im Winde.


Es kitzelt an der
Wange. Was ist das nur? Ach
ein Spinnenfaden.


Tau. Es funkeln im
Garten Spitzengardinen
aus Spinnennetzen.


Mit Freuden gleiten
sie über den Teich. Winter?
Nein - Wasserläufer.


Oben klitzert die
Wasseroberfläche. Der
Rückenschwimmer schwimmt...


Ein Ei: Zuerst weich,
dann hart geworden. Doch dann
Leben: Softig weich...


Dein Gesicht ist schön!
Warum zudecken mit dem
Schminke-Zweit-Gesicht?


Schwarze Perlen im
Gartenteich. Zu Tausenden
aufgereiht: Froschlaich.


Milchglaskugel am
nächtlichen Himmelzelt. Der
Mond vor dem Regen.


Fliegen? Nein. Sie singt
sich an der Notenleiter
empor: Die Lerche.


Ein Mensch läuft über
Gras. Weiß er, was für Pflanzen
er hat zertreten?


Die Erde trommelt:
"He wach auf!" Im Bett hörte
ich: Regentropfen...


Er zertrat den Wurm,
fluchte - ein Auto hatte
ihn fast überrollt...


Gartenfrühlingsfest:
Blütenblätterkonfetti
rieselt sanft herab.


Hochzeit der Bäume:
Brautkleider aus Blüten. Die
Bienen? Trauzeugen!


Sandsäcke liegen
auf meinen Augen. Siegte
doch die Müdigkeit?


Ich sehe in das
Licht und lese, was du sagst,
auf deiner E-Mail.


Ich war klein, wollte
groß werden. Nun sehne ich
mich nach der Kindheit...


"Die Blumen sind schön!",
sagte der Blinde. Menschen
eilten blind vorbei.


Der Taube sah ihn
an. Er wollte verstehen.
Wer brüllt, versteht nichts!


Schneeflocken fielen
auf dein Haar. Schamvoll schmolzen
sie aus Schönheitsneid...


Mensch - du Wurm - klebst dir
zwei Flügel an und meinst, du
bist ein Schmetterling?!


Die dicke Hummel
mit zwei kleinen Flügel - träge?
Ha - bienenfleißig!


Wie oft sehe ich
dein Auto, welches doch nicht
deins ist. Wo bist du?


Tränen in deinen -
Augen, brennende Dürre
in meinem Herzen.


Auf der Straße roch
ich dein Parfüm. Wer hat den
Duft von dir gestohlŽn?


Auf der Straße sah
ich dein schönes Kleid. Wer hat
es zweckentfremdet?


Auf der Straße dein
Lieblingslied tönt. Ruhe! Es
gehört nicht hier her!


Qualvoll wartend so
viel Stunden aufgewühltes
Herz. Es schreit:" Komm, komm!"


Stille sie suchten,
Liebe sie fanden. Im Lärm -
da war nichts, nur Hass.


ein kuß zum abschied
hält meine lippen warm für
unser wiedersehn.


Deine lachenden
Augen - Wasser für mein Herz,
was durstet nach dir!


Morgens sah ich wie
du erwachst. Sonnenaufgang
in meinem Herzen.


Hm - wie du schmeckst! Nach
der sonnigen Süße des
Lebens...Bleib bei mir!


Wie schwerer Rotwein
Deine Lippen. Berauscht fall
ich wehrlos auf dich...


Dein Körper - meine
Wiese. Jede Blume riecht
anders. Du bist schön!


Die Sonne versinkt,
ich muss von dir gehen. Mich
umhüllt Finsternis...


Sonnenstrahlen! Sie
werfen den Schatten meiner
Hand auf deinem Leib...


Deine Augen: Gleich
Kometen. Augenbrauen
wie Feuerschweife...


Warm wie die Sonne
am Morgen, ihrer beider
Haut. Warum frieren?


Graumeliertes Haar
bedeckt dein Haupt, wie Raureif
noch grüner Bäume.


Die Sonne geht auf.
Bald sehe ich dich und kann
dein Lachen trinken.


GastautorInnen bei "wortgetreu"