Frank Kiesewalter
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GELIEBTE

Dunkle Nacht,
Gewitterregen kühlt die Luft,
doch nicht mein Herz,
das sehnsuchtsvoll zu dir verlangt,
brennend, lichterloh.
Im Schein der Kerzen
die schwarzen Schatten,
die nur du vertreiben kannst.
Oh, Geliebte.
Du meine Eisheilige,
wie fehlst du mir in dieser Nacht,
an Schlaf vermag ich nicht zu denken.
Ich denke an dich.
Geliebte,
du meine Scharfrichterin.
Bereit der Sünde Zoll zu zahlen
zähle ich die Stunden von den Wänden.
Sehne mich nach deinen zarten Händen.
Und die Nacht will gar nicht enden.




MORGENDLICHES ERINNERN

Noch in der Nacht
hat deine Zärtlichkeit
mich um den Schlaf gebracht.
Ich hab gelacht.
Mein Herz schlug laut.
Ich freute mich an deiner Gänsehaut.
Und an meiner.
Kerzen brannten
und verbannten
jedes grelle Licht.
Ich sah in dein Gesicht.
Und ich sah in deine Augen.
Ich sah darin mein Herz.
Und deine Augen waren wie ein großer Fluß;
ein breiter Strom;
ein Hochgenuß.
In ihm ertrank ich gern.
Doch nun ist Morgen
und du bist mir so fern.
Du bist gegangen.
Dein Duft, der hängt noch in den Kissen.
Sanft drück ich sie an meinen Körper.
Sie sind sogar noch warm von dir.
Nun lieg ich hier
und träum von dir
und in der Erinnerung
nehm ich dich nochmals in den Arm.




PUZZLE

Gerade eben noch
lagen wir
aneinandergeschmiegt
wie Teile eines Puzzles
im Bett
und liebten uns.
Nun bist du fort
und ich fühle mich so unvollständig.




WILLKOMMEN EINSAMKEIT

Der Mantel deiner Dunkelheit
bereitet mir ein warmes Bett;
empfängt mich freudig;
verspricht mir
eine neue Qualität der Stille.
Im Verlust des Denkens offenbart sich nun dein Wille.
- Gedankengespinnste aus Seide
Willkommen Einsamkeit.
Vertreibe mir
die Heiterkeit des Tanzes auf dem brodelden Vulkan;
laß mich mit dir
einen letzten, lebensmüden Walzer tanzen,
wenn der zu Ende ist,
fangen wir von Vorne an.
Willkommen Einsamkeit.
Empfange jetzt mein Herz,
daß von heut an nur noch dir gehört.
Wir beide teilen nun den Schmerz
und
sind in unserer Zweisamkeit
völlig ungestört.




WAS MICH RICHTIG TRAURIG MACHT

Was mich richtig traurig macht,
ist die Stille in der Nacht.
Neben mir kein Atemzug;
kein Funkenflug der Herzen.
Was mich richtig traurig macht,
ist,
daß ein Feuer,
erst mal
lichterloh entfacht,
doch irgendwann
verlöschen wird.
Richtig traurig macht mich der Gedanke,
daß auf meinem Weg ich schwanke;
beim Suchen die Geduld verlier,
trotz Wärme doch noch so oft frier.
Das meine Welt sich weiter dreht
- ein Höllenkarussell -
Denn
viel zu schnell
vergeht die Zeit.
Der Weg noch weit;
die Beine schwer.
- Keine Heiterkeit -
Das Herz bleibt leer.
Was mich richtig traurig macht,
ist
das Hoffen in der Nacht
und
die Beschämung an den Tagen
vor der Angst
etwas zu wagen.
Und die vielen offenen Fragen...




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