Esther A. Kestenbaum

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Novembermorgen

Novembermorgen:
im Wald spazieren,
gefrorenes Laub knirscht unter den Sohlen,
erste Sonnenstrahlen finden ihren Weg
und ein leichter Wind wirbelt die Blätter auf.

November
und es regnet
Gold vom eiskalten Blau des Himmels.



Regentropfen an meinem Fenster

Regentropfen an meinem Fenster
bahnen sich ihren Weg
hinterlassen seltsame Bilder
verwischen die Realität

Regentropfen an meinem Fenster
durchtrennen die Zeit
von drinnen und von draußen
vermitteln etwas Ewigkeit

Regentropfen an meinem Fenster
formen Bilder in meinem Kopf
malen sie aus in bunten Farben
lassen Träume sich bewahren

Regentropfen an meinem Fenster
geben mir Gemütlichkeit
lassen mich leise lauschen
den Geschichten der Herbstlichkeit



Grund genug

Ich gebe mein Leben für Dich.
Dabei ist es mir völlig egal,
ob du es haben möchtest
oder
ob du mir Deines gibst.

Meine Liebe für Dich ist Grund genug.



Keine Angst

Ich sehe mich über die Wiese laufen,
entfalte meine Flügel
und hebe ab.
Der Wind trägt mich immer höher
und höher
bis alles ganz klein
und
unbedeutend geworden ist.

Ich habe keine Angst
vor dem Fall,
denn ich weiß,
dass egal, wohin es mich trägt,
Deine Arme mich auffangen werden.



Fußspuren

Fußspuren im Sand
zeugen von Dir
führen ins Nichts
und verblassen mit der Zeit.

Fußspuren in meinem Herzen
zeugen von Dir
führen tief in mich hinein
und verweilen dort auf Ewigkeit.



Sehnsucht

In mir lodert
die Flamme der Sehnsucht.
Sie brennt sich
tiefer und tiefer in mein Herz hinein.
Sie lässt mich nicht los
und frisst mich ganz und gar auf.
Es gibt kein Entrinnen
so sehr ich's versuch.
Meine Gedanken kreisen
nur noch um sie,
halten mich gefangen
in der Sehnsucht nach Dir.



Auf keinen Fall

du bist mir zu nah,
ich fühl dich zu sehr,
ich dreh mich im kreis
und weiß nicht,
was tun.

mein herz fleht: "bleib!"
mein kopf schreit: "geh!"
ich bin zu schwach,
um dem entgegenzustehen.

vor und zurück
und wieder von vorn,
so dreht sich die welt
immer weiter herum.

du bist mir zu nah,
ich fühl dich zu sehr,
jetzt weiß ich's bestimmt:
mit dir - werd ich
auf keinen Fall weitergehen.



Verzweiflung

Reiß mir mein Herz heraus
damit ich nichts mehr fühl.
Es hat keinen Platz mehr in mir
- zu groß ist sein Schmerz,
den es immer noch spürt.

Reiß mir mein Herz heraus
damit das alles aufhört.
Es hat keinen Sinn mehr in mir
- zu stark ist sein Gefühl,
das es immer noch spürt.



Reich mir Deine Hand

Zwei Hände kommen sich näher.
Zwei Hände, die sich spüren
und doch nicht zusammenführen.
Zwischen ihnen, der Mantel, der Schutz,
in dem die Frucht erst reifen muss.

Deutlich zeichnet sich ab, die kleine Hand
und sanft ist ihr Ruf:
"Hallo Welt, hier bin ich -
bald bin ich dein!"
Und draußen legen sich sanft und schützend
fünf Finger hinein:
"Leg' Deine Hand in meine und ich führe Dich
sicher bei jedem Schritt durchs Lebenslicht."

Zwei Hände, die sich kennen.
Zwei Hände, die sich fühlen.
Zwei Hände, die es kaum erwarten können,
zusammen zu gehören.



Klitzern im Kinderauge

Das Klitzern im Kinderauge
ist die pure Freude am Sein,
ist das Zeichen der Unschuld
und Offenheit gegenüber dem Leben.

Es ist das Lachen über Kleinigkeiten,
Banalitäten und Selbstverständlichkeiten.
Es ist das Geschenk eines Kindes,
welches unser Leben erst lebenswert macht.



Wir haben ein Kind

Wir haben ein Kind.
Wir haben Verantwortung.
Wir haben Sorgen und Ängste.
Wir fühlen uns überfordert
Wir fühlen uns gestresst.
Wir sehen uns selbst.
Wir sind überwältigt.
Wir sind stolz.
Wir sind reich.

Wir haben ein Kind.


Der Tod steht neben ihr und wartet.

Ein letzter Kuss,
eine letzte Umarmung.


Sie war mir fremd gewesen
und jetzt so vertraut.
Ihr Blick dringt in mich ein
und bindet mich.


Ihr Antlitz ist klar und rein.
So schön ist sie,
so lebendig.

Ihre Krankheit verblasst, denn
der Tod
steht neben ihr
und wartet.



Der Sterbende

Spürst du seinen kalten Atem?
Hörst du seinen lieblichen Ruf?

Hab keine Angst,
es ist der Lauf des Lebens.
Es ist nicht schlimm,
es tut mir nicht weh.

Schau mich an,
reich mir deine Hand
und dann lass mich gehen.



Dein Tag

An dem Tag, an dem Du gehst
wird der Mond die Sonne verdunkeln,
wird der Wind Stille einkehren lassen,
werden die Tiere sich Schutz suchen
und ich eine Kerze anzünden,
um mich - an Dich - zu erinnern.

An dem Tag, an dem Du gehst,
wird die Sonne den Mond überstrahlen,
wird der Wind sanft Stille fortblasen,
werden die Tiere neugierig hervorkriechen
und ich im Schein der Kerze
erinnernd der Zukunft entgegenlächeln.


* * *

ELFCHEN

Ein Elfchen ist ein Gedicht aus elf Worten, das wie folgt aufgebaut ist:
1. Zeile: 1 Wort, 2. Zeile: 2 Worte, 3. Zeile: 3 Worte, 4. Zeile: 4 Worte, 5. Zeile: 1 Wort



Kastanien,
sie blühen
in meinem Garten -
drei in meinem Herzen.
Vollkommenheit!



Frühling,
Frau Holle
schüttelt ihre Kissen -
in meinem Garten ein
Blütenmeer!



Kinderlachen,
durchdringt mich,
umhüllt mein Herz,
lässt mich ertrinken im
Glück!



ERFURT I - III

I

Erfurt,
ein Kind
greift zur Waffe:
die Schule - ein Blutbad.
Fassungslosigkeit!


II
Hilfeschreie
bleiben ungehört
verschlossene Augen überall
Kinder werden zu Amokläufern
Ohnmacht.


III

Achtung:
Eltern, Lehrer
hört Kindern zu,
macht eure Augen auf -
Verantwortung!



GastautorInnen bei "wortgetreu"