Ernst Ferstl
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Neue Gedichte

GESETZLOSIGKEIT

Für Liebende
gelten die Gesetze
der Schwerkraft nicht.
Wenn sie sich
in die Arme schließen,
öffnen sie sich -
wenn sie loslassen,
finden sie festen Halt -
wenn sie sich fallen lassen,
schweben sie
Richtung Himmel.



LECKERBISSEN

Die köstlichsten Leckerbissen
unseres Lebens
sind jene Menschen,
die wir zum Fressen
gernhaben
dürfen.


VOR-GABEN

Ich gebe mich nicht mehr
damit zufrieden,
etwas zu sein.
Ich nehme mir vor,
jemand zu sein,
Mensch zu werden.

Ich gebe mich nicht mehr
damit zufrieden,
etwas zu erleben.
Ich nehme mir vor,
mein Leben
zum Leben zu erwecken.

Ich gebe mich nicht mehr
damit zufrieden,
lieb zu sein.
Ich nehme mir vor,
das Leben zu lieben
und die Liebe zu leben.



EIN WEGWEISER

Es gibt sehr viele Wege,
einen Menschen
kennen zu lernen,
aber nur einen,
um einen Menschen
lieben zu lernen:
den der Liebe.



KÜRZESTE FASSUNG EINER LIEBESGESCHICHTE

Aus Liebe.
Liebe.
Aus.



LIEBESBEWEISE

Liebende,
die sich geliebt
wissen und fühlen,
wissen und fühlen,
dass sie leichten Herzens
auf Liebesbeweise
verzichten können.

Wer Liebesbeweise
braucht und haben muss,
bekommt -
vielleicht -
Beweise,
nicht aber Liebe.



NEUER BLICKWINKEL

Immer mehr Menschen
kennen nur noch
Liebe auf den ersten Blick.
Mehr Zeit
haben sie einfach
nicht mehr dafür.


Copyright by Ernst Ferstl



Neue Gedanken

Worüber wir reden, das sagt viel.
Woran wir denken, das sagt alles.

Für überdurchschnittlich viele Leute
ist es ein Herzensanliegen,
sich anderen überlegen zu fühlen.

Dass sich die Erde um die eigene Achse
und um die Sonne zu drehen hat,
ist machen Leuten noch viel zu wenig.
Sie glauben, dass sich die Erde
auch um sie drehen müsse.

Menschen, die nicht an sich selbst glauben,
können anderen keinen Halt geben.

Das Schwierigste am Miteinander-Reden
ist für viele nicht das Reden,
sondern das Zuhören.

Der Verzicht auf eine eigene Meinung
verringert die Gefahr, umdenken zu müssen.

Bei manchen Leuten funktioniert das Blödsinnreden
so automatisch wie das Luftholen.

Das Wichtigste auf dem Weg unseres Lebens ist,
dass wir dem Leben und der Liebe
nicht aus dem Weg gehen.

Die Wahrheit lässt sich immer suchen,
manchmal finden - aber nie besitzen.

Bestimmte Leute glauben, sie hätten
die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Dabei waren es in Wirklichkeit
nur Buchstabensuppen.

Vorurteile liefern Argumente,
die man sonst nirgends fände.

Die einzige Erneuerung, die manche Zeitgenossen
in ihrem Leben zulassen, ist die ihrer Körperzellen.

Was das Denken betrifft, geben sich allzu viele
mit dem Existenzminimum zufrieden.

Bevor unsere Träume Früchte tragen können,
müssen sie in der Wirklichkeit Wurzeln geschlagen haben.

Man kann anderen auch eine Grube graben,
indem man sie in den Himmel lobt.

Wo und wie sollen die im Zeitalter
der Selbstbedienung aufgewachsenen Menschen
Selbstbeherrschung lernen?

Jede Gewohnheit, von der wir uns verabschieden
wollen, sagt am Schluss zu uns:
"Auf Wiedersehen !"

Copyright by Ernst Ferstl



GastautorInnen bei "wortgetreu"