David J. W. Pilgrim



Ketten

die Ketten, die mich ziehen
über Brücken
immer zurück
ich würde sie gern brechen
die Brücken
oder die Ketten?



Zu spät

Ich schneide mein Leben
einen Baum
und zähle die Ringe
Erinnerungen, bei wem
sie bleiben
wenn das Leben
längst gefällt



Lebenswandel

auf einer Brücke stehe ich
sehe hinunter
will hinüber
doch nicht
ohne mich jetzt zu finden
alles fließt zu schnell
für klare Bilder



Dich Gesehen

Aus weiter Ferne komme ich
ohne Ziel
direkt auf dich zu
nicht gesucht, nicht gefunden
hab ich dich
nur gesteift
nur ein Haltepunkt auf meiner Fahrt



Huch

Dich gesehen, "huch!" gedacht
Ein Verstehen? "Nein!" gelacht

Von Dir durch dich aufgebracht
Du
Suspekt - doch lieb in mir
Unheimlich - doch spannend in dir
Mächtig und schwach
Leise und wach
machst Du mich an Dir



Pfau

Ich gehe stolz
auf dem Teppich der Erinnerungen
Stolz - ?
Dass sie hinter mir
Stolz - ?
Dass ich gehe auf ihnen
Stolz - ?
Dass sie nicht mehr weh tun
Stolz - ?



Festland

schwimme in Gefahr von Wasser
Seh ich Inseln rings um mich
Manchmal treibe ich drauf zu
Verbrenne mich am Eis
und ich weiß
Du bist kein Menschenhasser
Deshalb lieb ich dich
Dein Schatten lässt mir keine Ruh
Der bin ich selbst
Was du nur denkst und ich schon tu

Kanten werden immer blasser
Mich nicht doch dich liebe ich
Mein Schwimmen hilft nichts doch Du
flüsterst mir furchtbar leis
was ich weiß
Es lohnt nicht hier im Wasser
Und ich frage mich
Was gibt es, was ich denk und tu
Ich bin Du selbst
Was du mir schenkst ist Deine Ruh



Antworten

Wer, fragte sie, bist Du
Der deine Gefühle geißelt
Sein Bild in dein Hirn meißelt

Was, flüsterte sie, tust Du
Das dein Leben nimmt
Und alles, was in deinem Feuer glimmt

Wie, hauchte sie, bist du
furchtsam alles zu verliern
doch nur sein Bild in dir zu ziern

Wohin, dachte sie, gehst du
dahin wo mich Angst nicht findet
Dein Gedanke an mich erblindet

Warum, träumte sie, gehst du
Darum, weil niemand mir sagt
Und sag nicht ich hätte nicht gefragt



Augenblick

Sieh ein Schiff unter vollen Segeln
den höchsten Berg der Welt,
Schau Dir den Ozean an
Das bist Du für mich



Moment

Ich liebe Dich
Wie Du mein Herz benetzt
Fühle ich es unumwunden
ich liebe dich
Schon jetzt, nach wenigen Tagen
Ich könnt es mit der Nächsten wagen
Mit Dir will ich teilen
Kenne Dich zu wenig, alles zu geben
Ich liebe Dich
Mein Herz kann es nicht wissen
in anderen Küssen
würd ich Dich vermissen



Stenogramm

am ersten Tag sprach sie:
Ich hab ein Problem mit Jüngeren
Ich sagte, was sind drei Jahre
am zweiten Tag, mahnte sie:
Verliebe dich nicht in mich, es lohnt sich nicht
am dritten bat sie:
Verliebe dich erst in mich, wenn ich mich in dich
am vierten Tag schwieg sie
so sanft



GastautorInnen bei "wortgetreu"