Anna



Wenn man merkt, dass man träumt, ist man kurz vor dem Aufwachen
Was geschieht mit den Träumen,
die zu kühn, zu verrückt, zu unsicher sind?
Was geschieht, wenn niemand sich auftreiben lässt,
der sie verwirklichen kann?
Niemand der an sie glaubt
Niemand der weiter träumt
Weil es einfacher ist, ohne sie...
Lösen sie sich nicht mal in Luft auf,
sondern in totales nichts?
Oder warten sie auf den Nächsten,
der mutiger, verrückter und sicherer ist
und die Umstände auf seiner Seite hat?

Das schlimmste was einem Traum passieren kann:
Der Träumer wacht auf



Aufgewacht!

Da sitze ich und schreibe
Hefte voller Liebesgedichte
und in der Zeitung: ein Bild
kleiner Junge
hinter ihm
die Lava (des Nyiragongo)

Da sitze ich
spüre dabei
wie meine Eigene Dummheit
wie eine Raubkatze
Anlauf nimmt
um mir das Gesicht
zu zerkratzen

was dahinter liegt
sehe ich nicht
jetzt ist die Fassade weg
aber ich sehe nichts

wie ein zersprungener Spiegel
mein Blick durch die Fetzten der Fassade
ich bin nichts
ich könnte....



Samstagabend

rot-gelb macht das Licht
rot-gelb in mein Gesicht
ein fremdes Gesicht
im Tanzgemisch
boom-boom macht der Beat
boom-boom, jeder sieht
im bunten Licht:
wer cool ist, wer nicht
ich sehe mich um
und um mich herum:
nur wackelnde Po`s
und keiner zu groß
ich seh auch die Leute
diese kreischende Meute
macht der DJ nen Break
gibts großes Gekuäk
Pon di Attac
ich bin nur ein Wrack
das vor langem gestrandet
und langsam versandet
am Meeresgrund--
die Lichter sind bunt
ich hab keinen Grund-
boom-boom mach der Beat
ein neues Lied
ich tanze sehr schnell
das Licht wird sonst grell
kein Mensch spricht ein Wort
es währe auch Mord
Wörter würden zu Leichen
könnten Niemand erreichen
das Licht scheint rot-gelb
eine seltsame Welt



Sonntagsfemminismus

Keine Frau braucht einen Mann
als Vermittler zwischen sich und dem Universum!
ja, grau ist leider alle Theorie
und was ist mit dir?
Ich brauch dich nicht, wie den anderen,
durch dessen Augen ich die Sonnenstrahlen sehe
bei dessen Lächeln ich die Welt vergesse
mit dem ich eins werde ohne jeden bösen Gedanken

Keine Frau braucht einen Mann
jedenfalls nicht als Vermittler zwischen
sich und dem Universum
aber für honigsüße Küsse und
federleichte Fingerspitzen auf ihrer Haut
für behutsame Liebe im Dunkeln
und sanftes Verschmelzen bei Sonnenaufgang

keine Frau braucht einen Mann
außer sie lässt sich fangen von
glücklich glänzenden Sonnenstrahlen
die aus braunen Augen schimmern
und einem perligen Lachen
wie ein Zweig mit Brombeeren
in einem Waldbach treibend



Der Sommertag

Hier liege ich
Rücken an Rücken
mit der Erde
und blicke
in die unendliche Weite
des Universums
ich weiß inzwischen
das man nicht auf den
watte Wolken
sitzen kann
und dass sie nicht
aus Zuckerwatte sind
aber wenn sie
prachtvoll
vorbeisegeln
über mich hinweg
majestätisch
sind sie immer noch mehr
als abgekühlte Luft



Angst

als ich auf dem Parkplatz
in Deine
aufgerissenen Augen
blicke
Einen Moment lang
sehe ich:
Dich
Am Boden, gekrümmt
Deine schönen Haare
in einer Pfütze

sehe: schwere Füße
auf Dir
herumtrampeln
nach Dir
treten
höre: das Lachen
und die Rufe
sehe Messer aufblitzen
und hassverzerrte Gesichter

Spüre selbst den Schmerz
als Sie
in Deine
samtweiche dunkle Haut
schneiden

Aber diesesmal
warst du schneller
und hattest ein Fahrad
und den Überaschungsmoment

Mit einem Lachen
rast Du davon
Diesesmal
stolz
mit wehenden Haaren



Die Sandburg

Von allen seiten umgeben mich
die Bewundernswerten
wie hohe Türme
mit zu hohem Maß gemessen
unerreichbare Fenster mit Licht
ich sitze in ihrer Mitte
eingekreist

Sie schützen mich
mit ihren dicken Mauern
halten mich auf Abstand.
Würde ich vor den Mauern überleben?
(ich bekomme langsam
einen steifen Hals)

Aber mit der Zeit
beginne ich in ihrer Mitte
einen eigenen Bau
aus Schotter und Sand
mit vielen Fenstern
sinsturzgefährdet
aber für jeden zugänglich



ohne dich

keine Angst mehr
hab schon das wichtigste verloren
bloß nicht denken
keine Vergangenheit
keine Zukunft
du warst der Angepunkt
um den sich alles drehte
Falle ich noch?
Oder bin ich schon unten
angekommen
eine Mücke
auf ihrem Weg in Licht
es fällt schwehr umzukehren
zurück in die Dunkelheit
oder bin ich schon verbrannt
und mir wird schwarz vor Augen?
ohne dich
vergeht langsam die Angst
dich zu verlieren
dir nicht zu gefallen
das du
lügst
verschwindest
kann nicht
ans Telefon gehen
unereichbar sein



GastautorInnen bei "wortgetreu"